Zweitmarktpolice

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Zusammenfassung

Anlagehorizont Zwischen 2 und 30 Jahren, frei wählbar
Mindestanlagedauer (Empfehlung) 5 Jahre
Ertragschancen mittel
Sicherheit hoch
Liquidität hoch
Kosten mittel
Besonderheiten Der Investor erwirbt alle Rechte aus der Police gegen ein Versicherungsunternehmen. Die Originalpolice verbleibt aus Datenschutzgründen in treuhänderischer Verwaltung beim Policenhändler
Fazit Geeignet für sehr sicherheitsorientierte Anleger mit einem Mindestanlagevolumen von 10.000 Euro

Details

Die Zweitmarktpolice ist eine Kapitallebens- oder Rentenversicherung, die vom ursprünglichen Versicherungsnehmer an einen Zweitmarkthändler verkauft worden ist. Der Ankäufer hat die Police in der Regel z.B. durch Umstellung der Zahlungsweisen und Kündigung von Zusatzversicherungen optimiert und so die Renditeerwartungen verbessert. Der Mindestrückkaufswert auf dem Zweitmarkt beträgt 10.000 Euro. Bei diesem Wert kann davon ausgegangen werden, dass die Abschluss- und Verwaltungskosten auf dem Zweitmarkt bereits beglichen wurden.

Die Investition in eine Zweitmarktpolice stellt ein Direktinvestment in einen bestehenden Versicherungsvertrag dar, das heißt, der Investor wird bei der Versicherungsgesellschaft als neuer Bezugsberechtigter der Lebensversicherung eingetragen. Die Originalpolice verbleibt aus Datenschutzgründen beim Policenhändler, welcher den Bezugsberechtigten einmal jährlich über die aktuelle Werteentwicklung informiert.

Aufteilung des monatlichen Beitrages

Wie auf dem Erstversicherungsmarkt auch, fließen die Prämien in einen Sparanteil und in einen Versicherungsanteil, wobei Letzterer der versicherten Person zugutekommt.

  • Sparanteil: Dieser Beitrag wird von der Lebensversicherung in sicheren Anlagen investiert und verzinst.
  • Risikoanteil: Für die Deckung des Risikos von Todesfall, Unfall, schweren Krankheiten oder Berufsunfähigkeit wird ein Teil des Gesamtbeitrag benötigt.
  • Abschlusskosten: Damit sind die Kosten gemeint, welcher der Versicherungsberater, Vermittler oder Makler in Form einer Provision für die Beratung erhält. Diese Kosten sind zum Zeitpunkt des Erwerbs auf dem Zweitmarkt bereits durch den ursprünglichen Versicherungsnehmer beglichen worden.
  • Jährliche Verwaltungskosten: Die Versicherungsgesellschaft berechnet diese Kosten, welche bei der Verwaltung des Vertrages entstehen.

Tritt der Versicherungsfall ein, erhält der Investor den geleisteten Kaufpreis und bereits gezahlte Prämien mit einer Verzinsung in Höhe von 7% ausgezahlt. Bei vertraglichem Ablauf der Police erhält der Investor die gesamte Ablaufleistung der Versicherungsgesellschaft ausgezahlt.

Anlage des Geldes durch die Lebensversicherer

Die Lebensversicherungsgesellschaften dürfen das Geld der Kunden nur sehr konservativ anlegen. Die Anlage erfolgt zum Großteil in Staatsanleihen und Anleihen mit einer hohen Bonität. Einen geringen Teil legen die Versicherungsgesellschaften in Aktien, Aktienfonds und Immobilien an. Außerdem vergeben Versicherungsgesellschaften gesicherte Langfristdarlehen, z.B. im Infrastruktur- und Anlagenbau.

Lebensversicherungsreformgesetz ab 2015

Das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) trat zum 01.01.2015 in Kraft und brachte für Kunden und Versicherungsgesellschaften einige Neuigkeiten mit sich.

  1. Der Garantiezins für neue Lebensversicherungen beträgt nur noch 1,25 % p.a. Das bedeutet, dass die garantierte Leistung der Kunden gegenüber 2014 sinkt. Investoren auf dem Zweitmarkt haben hier den Vorteil, dass Sie gezielt in Altpolicen mit höherer Verzinsung investieren können.
  2. Versicherungen, welche bilanziell finanzschwach sind, können die Beteiligung ausscheidender Kunden an den Bewertungsreserven reduzieren. Bewertungsreserven werden aufgebaut, wenn der Marktwert einer Kapitalanlage durch die Lebensversicherung höher als der Kaufpreis ist.
  3. Kunden von Lebensversicherungen werden statt bisher zu 75 % zu 90 % an Risikoüberschüssen beteiligt. Diese Überschüsse entstehen, wenn die Kosten geringer sind als geplant.
  4. Ist die Lebensversicherung eine Aktiengesellschaft (AG), so dürfen sie Ihren Aktionären keine Dividenden bezahlen, wenn eine Gefahr für die Garantien der Kunden besteht.

Flexibilität und Dynamik

Die Flexibilität von Zweitmarktpolicen ist verglichen mit dem Erstmarkt sehr hoch. Es bestehen folgende Optionen:

  • Bereits zum Zeitpunkt der Investition kann sich der Investor einen Vertrag mit einer gewünschten Restlaufzeit ab 2 Jahren heraussuchen.
  • Als neuer Versicherungsnehmer kann er sowohl die Zahlungsweisen umstellen als auch die Police beitragsfrei stellen.
  • Er kann die Lebensversicherung jederzeit kündigen. Dann wird von der Versicherung der Rückkaufwert berechnet. Diesen bekommt er ausbezahlt. Dies ist allerdings mit einer Kostenbelastung verbunden, weil die Lebensversicherung einerseits Stornokosten berechnet und der Versicherungsnehmer andererseits im Kündigungsfall auf seine endfälligen Überschussbeteiligungen verzichtet.
  • Er kann seine Police wiederum auf dem Zweitmarkt verkaufen.
  • Er kann auf dem Zweitmarkt ein Policendarlehen aufnehmen.

Motivation eines Anlegers

Die Zweitmarktpolice ist besonders für risikoaverse Anleger mit einem Mindestanlagevolumen von 10.000 Euro geeignet. Dazu gehören sowohl Privatanleger mit einem starken Fokus auf die Altersvorsorge als auch sicherheitsorientierte institutionelle Investoren, wie zum Beispiel Family Offices oder Pensionsfonds.

Die Zweitmarktpolice ist im Gegensatz zu einer Lebensversicherung auf dem Erstmarkt kein Versicherungs- sondern ein reines Anlageprodukt.

Transparenz der Kosten

Der GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V.) hat 2011 eine Empfehlung zur Ausweisung der Kosten bei der Lebensversicherung gegeben. Allerdings ist die Bereitschaft der Versicherungsgesellschaften, diese umzusetzen, nicht sehr hoch. Nur ein paar wenige Lebensversicherer, wie z.B. Stuttgarter, Ergo, Allianz weisen dies Gesamtkostenquote freiwillig aus.

Steuerliche Situation

Der Verkauf einer Lebensversicherung auf dem Zweitmarkt führt grundsätzlich zur Steuerschädlichkeit der Police. Besteuert wird jedoch lediglich der Differenzbetrag zwischen den Anschaffungskosten und der Versicherungsleistung (Bei Policen mit Abschluss nach dem 31.12.2004). Bei Altpolicen, die vor dem 31.12.2004 abgeschlossen wurden, werden nur die Zinsen versteuert, die ab dem Zeitpunkt des Erwerbs angefallen sind. Der Investor zahlt also maximal eine Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent zzgl. Solidaritätszuschlag.

Chancen und Vorteile

  • Sichere und kalkulierbare Rendite oberhalb der Inflationsrate
  • Frei wählbare Restlaufzeit der Police
  • Beliebig wählbare Investitionssumme (mindestens 10.000 Euro)
  • Investition in Altpolicen mit hoher Garantieverzinsung möglich
  • Abschlusskosten zum Investitionszeitpunkt bereits gezahlt
  • Keine Fondskosten oder Fondsrisiken durch Direktinvestment
  • Jährliches Reporting als Serviceleistung

Risiken und Nachteile

  • Die Kosten der Lebensversicherung sind nicht transparent. Der Kunde weiß oft nicht, wieviel von seinem Beitrag gespart werden.
  • Keine Versicherungsleistung für den Investor.
  • Keine Investition unter 10.000 Euro möglich.

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